Die neue Regierung hat sich nach Berichten von SPON dazu entschlossen, ein Hauptaugenmerk auf „das Netz“ zu legen. Ein Punkt, der auch in den letzten Monaten vielfach diskutiert wurde, soll die Stärkung der Rechte von Verlagen im Internet sein, da diese sich durch die Community und insbesondere vom Suchmaschinenprimus Google ausgebeutet sehen. Die Argumentation ist dabei wie folgt: Wir als Verlage stellen kostenfrei unseren Content ins Netz, so dass jeder ihn lesen kann. Leider aber auch die Crawler von Google, die Überschriften und Auszüge sammeln und diese auf Google-News aggregieren.

An sich ist dies nicht weiter tragisch, sollte man meinen, da ein Klick auf die Nachricht zu der Originalseite führt. Die Verlage sehen das allerdings anders: Google verdient durch Anzeigen auf der Google-News-Seite Geld, welches ja eigentlich ihnen zustehe. Ein einfacher Eintrag in der robots.txt würde ausreichen, um den Google-Bot auszusperren – allerdings würde ihnen ja dann auch wieder Einnahmen wegen sinkender Visits entgehen. Ein schönes Dilemma das keines ist, aber auf typische Art gelöst wird: Mit Justiz und Lobbyarbeit in der Politik. Ich würde mit Häme nicht sparen, wenn die Verlage mit einer Niederlage aus der Diskussion gehen.


Jedes Mal dasselbe. Ich vergesse immer den magischen Schlüssel für die about:config-Einstellungen, die das Vergrößern der Bilder beim Vergrößern der Schrift mit <C-Plus> und <C-Minus> ausstellt. Insbesondere die mit TeX-gerenderten Schriften auf Seiten wie karteilernen.de sehen damit zum Kotzen aus. Also

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Taub?

12Okt09

Ich musste neulich mit Erschrecken feststellen, dass ich deutlich schlechter höre, als viele meiner Bekannten. Alles hat angefangen mit meinem PC. Um das gute alte Stück richtig schön „silent“ zu machen, gabs ein neues Gehäuse, eine passive Grafikkarte und einen neuen Lüfter von Arctic Cooling. Letzteres scheint aber so einige Bekannte zu stören; denn die klagen über ein hohes Fiepen – das ich nicht wahrnehme. Gut, mach ich mal einen Hörtest. Zu meinem Erstaunen, ist ab 12kHz Schluss. Alles was danach kommt höre ich einfach nicht mehr. Und ich würde mich jetzt persönlich nicht als jemanden bezeichnen, der überwiegend laute Musik über Kopfhörer oder in Diskos hört. Scheiße aber auch.


Der zum Teil heftig kritisierte und vom deutschen Oberst Klein geführte Bombenangriff auf zwei Tanklaster hat das Ansehen von CDU-Verteidigungsminister Jung ziemlich beschädigt. Damit da bei einer rechtlichen Beurteilung nicht in letzter Instanz zu Ungunsten von Klein/Jung geurteilt wird, hat das Verteidigungsministerium mal eben ein Veto gegen die Besetzung eines „ungedienten“ Juristen eingelegt. Interessanterweise muss ein Richter seinen Wehrdienst nicht geleistet haben, noch hat das Verteidigungsministerium Befugnis bei einer Richterbesetzung ein Veto einzulegen… wenn es da nicht eine Vereinbarung zwischen diesem und dem Justizministerium von 1970 gäbe.


Kleinigkeiten

07Okt09

Für was man in Deutschland alles sein Job verlieren kann: Unterschlagung eines Pfadbons im Wert von 1,30€, ein weggeworfenes und für den Müll bestimmtes Kinderbett mit nach Hause nehmen und neuerdings die Bullette des Chefs essen. Also echtmal, dem armen Chef und seinen hungernden Gästen eine Frikadelle mopsen, die sonst sowieso an die Assgeier von Angestellten gegangen wäre, einfach widerwärtig.


Man wird wohl nie erfahren, was die Entscheider der Universität Karlsruhe (TH) (aha!) geritten hat, das alte und zuverlässig funktionierende Horde-System gegen MS Exchange auszutauschen. Der Wechsel führte zu

  • Löschung aller bestehenden E-Mail-Weiterleitungen,
  • Ausschluss alternativer und freier Software für den uneingeschränkten Zugriff auf E-Mail und Kontakte,
  • Verbot von Weiterleitungen aus dem Uni-Netz heraus (unglaublich… durfte ich vorhin feststellen).

Gut, könnte man meinen, verzichte ich halt auf den „Service“.  Aber denkste. Das ganze scheiß System wird durch die Studiengebühren finanziert. 675000€ in den Schlund von Microsoft. Und nur damit sich ein paar Outlook-Geile auf ihrem Windows Vista und IE 8 einen runterholen können. Anstatt was Sinnvolles zu finanzieren, das  die Lehrsituation jedes Studenten wirklich verbessert (man denke nur an Druckguthaben oder Skripte umsonst), wird hier einfach nur ein Reibach gemacht.


Die Herren Wolfgang Back und Wolfgang Rudolph veröffentlichen seit geraumer Zeit Podcasts zu den verschiedensten Bereichen der IT. Als ich das Archiv durchstöberte habe, bin ich auf das interessante Thema „Sichere Betriebssysteme“ gestoßen. Leider ist die Episode äußerst oberflächlich und, was noch schwerer wiegt, faktisch an vielen Ecken falsch.

Dem Einstieg wird der normale Computernutzer noch zustimmen, denn es heißt, dass aktuelle Betriebssysteme (ohne Ausnahme Windows, Linux und UNIXe) unsicher seien und jederman von Abstürzen und Viren geplagt ist. Was die Autoren aber verschweigen: Wie oft ist denn das Betriebssystem an der Misere schuld? Es ist in 99 Prozent der Fälle ein Userspace-Programm mit den „Backdoors“ und schlampig programmierten Zeigern dafür verantwortlich. Aber der Reihe nach.

Das Problem, was die Herren da identifiziert haben wollen, ist „Shared Memory“ also Speicher der von einem oder mehr Prozessen benutzt werden kann. Sie gehen sogar soweit zu behaupten, dass „alle Prozesse den gleichen Speicherbereich benutzen“ und Prozesse im „Speicher rumlaufen dürfen“ wie es ihnen beliebt. Allen aktuellen Betriebssystemarchitekturen wird attestiert untauglich zu sein.

Das ist so aber erstmal falsch, wenn man von einem Betriebssystem mit virtuellem Speicher ausgeht. In einem solchen System wird jedem Prozess ein 3GB großer virtueller Adressraum gewährt der (in der Regel) in jeweils vier Kilobyte große Seiten aufgeteilt wird. Jede virtuelle Seite die nicht auf die Festplatte ausgelagert ist, hat ein physikalisches Pendant, das Frame im Arbeitsspeicher. Nun ist es allerdings so, dass, aus Sicherheitsgründen und mit Menschenverstand nachvollziehbar, ein physikalisches Frame mit den entsprechenden Daten auch nur in den Adressraum gemappt ist, dessen Prozess die Daten auch gehören. In der Praxis bedeutet dies, dass ein Prozess soviel in seinem Adressraum rumwildern kann, wie er will. Es kann nie auf die Daten eines anderen Prozesses zugegriffen werden, es sei denn es wurde sich darauf geeinigt (und zwar wirklich beiderseitig), dass beide Prozesse auf die Seite zugreifen können – dann und nur dann spricht man auch von Shared Memory.

Eine Sache bleibt noch: Aus Effizienzgründen ist der Adressraum des Kernels fest in das obere Gigabyte jedes virtuellen Adressraums gemappt. Deshalb könnte theoretisch jede Anwendung wichtige Kerndatenstrukturen zerstören, wären da nicht Useflags in den Pagetable-Entries (die bilden in einer verzweigten Tabelle virtuelle Seiten auf physikalische Frames ab), die in Hardware überprüft werden und nur dem Kern erlauben auf seine Seiten zuzugreifen – und das seit über zwanzig Jahren. Der Fakt wird kurz angesprochen, aber unter fadenscheinigen Gründen wieder abgewunken.

Wie geschildert, sind die meisten Betriebssysteme inhärent sicher vor bösartigen Angriffen aus dem Userspace. Was bleibt – und damit haben die Wolfgangs Recht – sind Treiber und die verschiedenen Abstraktionen innerhalb eines monolithischen Kerns, die bei schlechter Programmierung wichtige Kerndatenstrukturen zerstören können. Als Antwort auf das Problem haben diese das „Singularity“-Projekt von Microsoft auserkoren, dass einem „ganz anderen Konzept“ nachgeht. Das Betriebssystemforscher nicht gänzlich dumm sind und genau das Mikrokernkonzept seit Jahrzehnten (Mach von der CMU, Minix vom Tanenbaum, L3/4, usw. usf) untersuchen, scheint ihnen nicht klar zu sein oder bewusst verschwiegen zu haben, beides spräche jedenfalls nicht für ihre Kompetenz.

Auf die Frage wie Singularity nun vor „Routinen schützt, die ich selber geschrieben habe“, kommt eine Antwort bei der ich nicht weiß, ob das ein Scherz sein soll und ich ihn nicht verstanden habe: „Das geht halt nicht, da müsste man ein paralleles Betriebssystem installieren“. Fazit der Sendung ist, wenn denn das Ganze mal marktreif wird, dann kann es kein Conficker mehr geben (schön wie unter den Teppich gekehrt wurde, dass da immer noch Lücken in Userspace-Programmen dran schuld sind) und auch keine Abstürze und auch sonst ist alles gut.

In diesem Sinne, ein absturzfreies Wochenende.


In den Nachrichten geistert es ja seit einigen Tagen rum: Roman Polanski wurde in der Schweiz, für eine nicht zu Ende gebrachte Verhandlung eines Vergewaltigungsfalls, verhaftet. Prompt gibt es auf der ganzen Welt Sympathiebekundungen und „Free Polanski“-Aktionen, insbesondere von den „Kulturschaffenden“. Dabei frage ich mich: steht der Herr Polanski, auch wenn er gute Filme dreht, über dem Gesetz? Er hat 1977 in den Staaten ein Teilgeständnis abgelegt und ist vor einer rechtskräftigen Verurteilung geflohen. Auch wenn das Opfer ihm persönlich verziehen hat: vor dem Gesetz ist und bleibt jeder gleich. Ich versteh den Aufschrei einfach garnicht.


Noch-Innenminister Dr. Wolfgang „Ich-weiß-was-du-gestern-getan-hast“ Schäuble kritisiert, dass die Gesellschaft „das Maß zu verlieren“ scheint. Vielleicht liegts ja am politischen Vorbild.


Die Aussage kommt vom Chef Torvald höchstpersönlich. In den heise-Kommentaren geht es erwartungsgemäß hoch her, wobei einige der Kommentatoren die Meinung vertreten, dass die wachsende Komplexität im Linuxkern durch einen Mikrokern wie von Zauberhand verschwinden würde.

Betrachtet man den Kern isoliert, dann tut sie das auch. In der Realität verlagert sich diese – im Schichtenmodell gesprochen – allerdings einfach nur nach oben. Die Komplexität der Subsysteme bleibt und hinzu kommen noch die vielen Kontextwechsel. Mal ganz davon abgesehen, dass die Portierung eines monolithischen Kerns hin zu einem Multi-Server-Betriebssystem einer Sisyphus-Arbeit gleichkommt (siehe das SawMill-Projekt und komme mir keiner mit L4Linux – das ist nur ein virtualisiertes Linux).

Einzig  Sicherheit, Wartbarkeit und Modularisierung sehe ich als Vorteile eines Mikrokerns gegenüber den monolithischen Kernen.




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